Stille Stunde
Kennen wir das nicht alle, dass das Licht im Supermarkt besonders toll leuchtet, damit die Paprika und die Äpfel schön zur Geltung kommen? Das Scan-Geräusch an den Kassen, das sich monoton fortsetzt, bis der:die Kassierer:in zum Bezahlen auffordert? Oder das Jingle aus dem Supermarkt, das uns bis nach Hause verfolgt? All diese und noch weitere Reize können manchen Menschen das Einkaufen erschweren, zum Beispiel Menschen mit Migräne, Depression, ADHS, im Autismus-Spektrum oder bei Diagnosen, die mit einer Reizüberforderung einhergehen. Schnell kann der Einkauf zur Tortur werden und wird darum häufig gemieden. Von Erwachsenen wie von Kindern.
Um hier einen integrativen Beitrag leisten zu können, engagiert sich die „Stille Stunde“. Ein Konzept aus dem Einzelhandel, bei dem der Laden für einen bestimmten Zeitraum reizarm umgestaltet wird, um Menschen mit Sinnesempfindlichkeiten zu unterstützen. Sie setzt sich nicht nur dafür ein, dass Diagnosen wie ADHS und/oder Autismus-Spektrum-Störung in der Gesellschaft mehr wahrgenommen und anerkannt werden, sondern auch, dass ein (zeitweiser) Abbau sensorischer Barrieren erfolgt. Teilnehmende Supermärkte reduzieren daher einmal wöchentlich für mindestens eine Stunde die Reize. Sie dimmen das Licht, vermeiden Durchsagen, verzichten auf Musik. Zusätzlich reduzieren sie Geräusche im Kassenbereich, räumen und sortieren in der stillen Stunde keine Waren. Auf Wunsch begleiten Angestellte auch beim Einkaufen.
Aus ergotherapeutischer Sicht können wir sagen, dass die Einführung einer „Stillen Stunde“ tatsächlich vielen Menschen zugutekommen kann, insbesondere denen, die empfindlich auf Lärm und grelles Licht reagieren. Indem störende Reize reduziert werden, können betroffene Personen entspannter einkaufen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Es ist schön zu sehen, dass solche Konzepte entwickelt werden, um das Wohlbefinden in der Gemeinschaft zu fördern. Die Einführung der „Stillen Stunde“ ist eine besondere Gelegenheit, um die Zufriedenheit der Kund:innen zu erhöhen und gleichzeitig ein Zeichen für soziale Verantwortung zu setzen.

